Chanson Revival

Mein Konzept «Chanson Revival» (für Obere Mühle ect) frz und dt. Chansons


Weitestgehende Einigkeit herrscht darüber, dass das moderne Chanson vor allem eine französische Errungenschaft ist. Obwohl es auch in Deutschland eine vielfältige Chanson-Tradition gibt, stand es dort stets im Schatten des Schlagers. Starke Chanson-Traditionen gibt es zum Teil in den Benelux-Ländern, in den französischsprachigen Teilen Kanadas und natürlich in der Schweiz.

 

Besonderes Merkmal des Chansons ist seine starke Konzentration auf die Textaussage, die Anforderung, in „drei Minuten“ eine Aussage auf den Punkt zu bringen. Prägend für das moderne Chanson ist die Arbeitsaufteilung in auteur (Textschreiber), compositeur (Musikkomponist) und interprète (Interpret) – eine Dreigliederung, die dem im Angelsächsischen verbreiteten Singer-Songwriter entspricht. Oft bedienen sich Chanson-Schreiber einer poetischen Bildsprache und verwenden abschnittsweise Sprechgesang oder komplett gesprochene Texte im Wechsel mit gesanglichen Passagen.

Die Texte selbst decken eine Vielzahl von Themen und Stimmungen ab: Vom teils politisch geprägten Chanson über komische Situationen bis zu den häufigen Liebesliedern, berichten Chansons von allen Situationen des Lebens, oft mit den Mitteln der Ironie und der Satire.

 

Ein Zeitzeuge aus der Ära vor dem Ersten Weltkrieg skizzierte die Themenbreite mit den Worten: „Man sang Chansons aller Art: skandalöse, ironische, zarte, naturalistische, realistische, idealistische, zynische, lyrische, nebulöse, chauvinistische, republikanische, reaktionäre – nur eine Sorte nicht: langweilige Chansons.“

An der Schwelle zur Moderne machte in Deutschland vor hundert Jahren der neue Ton des französischen Chanson littéraire die Musik: lebensnahe Dichtung, gewürzt mit feiner Ironie oder auch etwas grober Phantasie und einem manchmal kräftigen Schuß Erotik.

 

Leichte, doch nicht seichte Lieder mit deutschen Texten sind auch heute en vogue. Namen wie Zarah Leander und Milva oder Hildegard Knef und Margot Werner prägen das 'Neue Deutsche Chanson'.

 

Der Begriff 'Deutsche Chansons' taucht erstmals im Jahr 1901 auf. Neben das von Claire Waldoff repräsentierte Kabarettchanson treten die Revue- und Operettenchansons – Fritzi Massary, Paul Lincke, Walter Kollo – und die Couplets des Otto Reutter. In der Weimarer Republik beginnt dann die erste Blütezeit des deutschen Chansons mit Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Sängerinnen wie Blandine Ebinger und Trude Hesterberg. Bert Brecht und KurtWeill bereichern das deutsche Chanson durch ihre Jazz-beeinflußten 'Songs'. Die NS-Zeit bedeutet für das deutsche Chanson den Niedergang.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg feiert das zeitkritische Kabarettlied durch Ursula Herking, Günter Neumann und Lore Lorentz Wiederauferstehung. In der DDR entsteht eine an Brecht angelehnte Chansonkultur mit Interpreten wie Gisela May und später Manfred Krug, Hans-Eckhardt Wenzel und Gerhard Gundermann. In der Bundesrepublik kommt das deutsche Chanson durch die Liedermacher des Burg-Waldeck-Festivals und durch Helen Vita und Hildegard Knef zu neuem Ruhm. Für Österreich stehen Georg Kreisler, André Heller und Ludwig Hirsch.

 

Nach der Wiedervereinigung kommt es zum Aufblühen des 'Neuen Deutschen Chansons'. Cora Frost, Malediva oder Wortfront – die Chansonszene vibriert vor schier unbegrenzter Experimentierfreude mit einer noch nie gekannten Vielfalt der Stile: so beim Chanson Jazz von Kitty Hoff, beim Rockchanson von Klaus Lage, dem Popchanson von Rosenstolz oder dem HipHop-Stück von Jan Delay.